Gewährleistung: „Arglistiges Verschweigen“ bei fehlender Überwachung (hier: mangelhafte Dampfsperre)

  1. Dem arglistigen Verschweigen eines Mangels steht ein Verhalten gleich, bei dem der Unternehmer ein Werk arbeitsteilig herstellen lässt und hierbei bewusst nicht die organisatorischen Voraussetzungen schafft, um sachgerecht beurteilen zu können, ob das Werk mängelfrei ist, oder sich jedenfalls dieser Erkenntnis verschließt, und der Mangel nach der Lebenserfahrung bei richtiger Organisation entdeckt worden wäre.
  2. Hierbei kann der Vortrag des Bestellers, der Unternehmer habe die Überwachung des Herstellungsprozesses nicht oder nicht richtig organisiert, so dass der Mangel nicht erkannt worden sei, schon ausreichend sein.
  3. Denn auch Art, Schwere und Erkennbarkeit, sowie das Ausmaß der Ausführungsmängel können den Anscheinsbeweis mangelhafter Bauüberwachung begründen (OLG Köln, Urteil vom 13.03.2013 – Az. I-16 U 123/12, Az. 16 U 123/12 -, juris).
  4. Nach diesen Grundsätzen besteht sowohl aufgrund der Art als auch der Häufigkeit und Erkennbarkeit der Mängel der Dampfsperrbahnen ein Anscheinsbeweis für die Verletzung der Bauaufsichtspflicht der Beklagten. Denn die fehlerhafte Verlegung der Dampfsperre in mehreren Räumen (Badezimmer, Gästezimmer, Firstzimmer) ohne die vorgeschriebene Verklebung oder mechanische Befestigung und der 1 cm breite Spalt zwischen Folie und Wand im Randbereich Richtung Gästezimmer waren während der Durchführung der Bauarbeiten mit bloßem Auge erkennbar.

OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 04.07.2014 - Az. 24 U 84/13

 

Kategorie: KAUF UND VERKAUF VON IMMOBILIEN , BAU- UND ARCHITEKTENRECHT