Sanierungspflichten in einem in Wohnungs- und Teileigentum aufgeteilten Altbau

  1. Grundsätzlich muss das gemeinschaftliche Eigentum jedenfalls in einem solchen baulichen Zustand sein, dass das Sondereigentum zu dem in der Teilungserklärung vorgesehenen Zweck genutzt werden kann. Weist das Gemeinschaftseigentum gravierende bauliche Mängel auf, die die zweckentsprechende Nutzung von Wohnungs- oder Teileigentumseinheiten erheblich beeinträchtigen oder sogar ausschließen, ist eine sofortige Instandsetzung zwingend erforderlich, und einzelne Wohnungseigentümer können die Sanierung gemäß § 21 Abs. 4 WEG verlangen.
  2. Massive Durchfeuchtungen müssen die Kläger (hier: Teileigentümer von Gewerberäumen) deshalb nicht hinnehmen, und zwar auch dann nicht, wenn gesundheitsschädlicher Schimmel (noch) nicht aufgetreten sein sollte.
  3. Der Sanierungsanspruch ist auch nicht dadurch ausgeschlossen, dass es sich um Souterraineinheiten in einem Altbau handelt.
  4. Eine "Opfergrenze" für einzelne Wohnungseigentümer ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ohnehin nicht anzuerkennen (hier: Sanierungskosten von rd. 300.000 €).

BGH, Urteil vom 04.05.2018 – Az. V ZR 203/17

Kategorie: WOHNUNGSEIGENTUM