Wird St. Gereon zugebaut?

23.06.2008

Hanns Schaefer

UNSERE ERFAHRUNG VERHEIßT NICHTS GUTES

Das Zusammenführen einer großen Menge von Menschen an einen bestimmten Platz, ihre Verwurzelung dort auf Dauer sowie die Errichtung einer einheitlichen Gesellschaftsstruktur sind ziemlich kompliziert und dauern gewöhnlich lange. Am Anfang steht immer der Wille eines Menschen oder einer Gruppe oder das Bedürfnis eines Staates oder einer spezifischen Wirtschaftslage. Manchmal ist es einfacher, eine Stadt zu errichten als sie am Leben zu erhalten.
Städte entstehen also nicht zufällig. Auch nicht Colonia Claudia Ara Agrippinensium, aus deren römischer Kolonie im Rheintal sich „Köln“ entwickelt hat. Es entstand eine wahre Bürgerstadt: keine Paläste, keine Prachtstraßen, keine riesigen Profanbauten, aber früh schon Sakralbauten. Weil Köln schon sehr zeitig eine Pilgerstadt war, war viel Leben in ihr. Große Pilgerströme zogen nach Köln, vornehmlich in den unvollendeten Dom, wo die Gebeine der Heiligen Drei Könige die Pilgermassen anzogen. Es entstanden religiöse Stiftungen; viele Ordensgemeinschaften bauten ihre Klöster in der Innenstadt und schufen auch Herbergen für die Pilgerscharen. Neben den großen romanischen Kirchen entstand eine weitere Zahl von Kirchen, denn zu jedem Kloster gehörte eine Kirche oder Kapelle. Und so hieß es damals, Köln habe so viele Kirchen wie das Jahr Tage habe. Zeitweise war Köln wie ein zweites Rom. Uns allen ist der Begriff vom „hillige Kölle“ noch gegenwärtig. Die Silhouette des mittelalterlichen Kölns prägte sich weltweit ein und war bis zum Ende des 2. Weltkrieges fast unverändert. In den folgenden Zeiten hatte Köln zwei verheerende Zäsuren zu verkraften: die Säkularisierung Kölns im Zuge des Einmarsches der französischen Revolutionstruppen nach Köln; es wurden fast alle Klöster, katholische Spitäler und zahlreiche Kapellen und kleine Säkularkirchen abgerissen. Kunstwerke von unwiederbringlichem Wert gingen verloren. Köln blieb Bürgerstadt.
Dann kam der 2. Weltkrieg und die historische Altstadt wurde buchstäblich „pulverisiert“. Die berühmten romanischen Kirchen waren teils bis auf die Grundmauern zerstört. Es war die Zeit, als man im Rat überlegte, Köln nicht wieder an alter Stelle aufzubauen, sondern ein neues Köln zu bauen. Man entschloss sich dann doch zum Wiederaufbau. Der damalige Oberbürgermeister, Dr. Konrad Adenauer, meinte: Da wo der Dom ist, ist Köln. Es waren die Bürger Kölns, die die romanischen Kirchen wieder aufbauten und zwar streng originalgetreu unter Verwendung von alten Fragmenten und Bruchstücken. Die weltberühmten zwölf romanischen Kirchen erstrahlten wieder in Glanz und Schönheit. Leider war man sich von Anfang an im Rat der Stadt Köln nicht einig über den Bau von Hochhäusern oder höher gezogenen Objekten. Doch der Druck der Köln-fremden Investoren war so stark, dass die damals Verantwortlichen in Politik und Verwaltung dem finanziellen Druck nicht standhalten konnten oder wollten. So baute der Westdeutsche Rundfunk (WDR) mitten im Kernbereich der alten Römerstadt seine riesigen Gebäude. Als „Krönung“ entstand dann später das so genannte Archivhaus, das die alte Silhouette der Stadt völlig zerstörte. Die Proteste einiger Weniger, darunter auch meine Eingaben und Proteste, wurden „vom Tisch gefegt“ und nicht beachtet. Später kamen dann noch andere Hochbauten in der historischen Altstadt zum Zuge und wiederum erlagen die Politik und die Verwaltung dem Druck der Investoren. Als Beispiel nenne ich das monströse Hotel Intercontinental gegenüber der herrlichen Kirche St. Maria im Kapitol.
Vor zwei Jahren gründete ich das „Aktionsbündnis Stadtbaukultur“, dem sich 40 namhafte Bürgerinnen und Bürger anschlossen und forderte ein dringend benötigtes Höhenkonzept für die Altstadt Kölns, also innerhalb der Ringe. Nach hartem Kampf wurde dieses Höhenkonzept verabschiedet und nur Bauten mit außergewöhnlicher Architektur und Bedeutung sollten nach strenger Prüfung eine Sondergenehmigung bekommen. Ich nenne hier z. B. Kolumba, das Diözesanmuseum mitten im Herzen der Altstadt einschließlich der ehemaligen Pfarrkirche St. Kolumba. Noch vor der Verabschiedung des Höhenkonzeptes – SPD und Bündnis 90/Die Grünen stimmten dafür, CDU und FDP dagegen – erhielt ein Gebäude die Genehmigung, höher zu bauen. Von welchem Gebäude spreche ich?