Stadtarchiv muss ans Gereonskloster!

30.06.2009

Dass der Stadtrat am 30. Juni 2009 über den künftigen Archiv-Standort entscheiden will, ist einerseits erfreulich, da die Zeit für einen Neubau wirklich drängt, andererseits stellt sich die Frage, ob die Entscheidung noch von dem alten Stadtrat in der ausgehenden Wahlperiode, sozusagen schon im Wahlkampf gefällt werden muss.

Wie schon an anderer Stelle geschehen, setze ich mich nachdrücklich für den Standort Gereonskloster ein, da an dieser Stelle das Archiv früher gestanden hat und sein schönes neugotisches Gebäude noch vollkommen erhalten ist. Der Standort am Gereonskloster ist ein sehr würdiger, ruhiger und anderen wichtigen Archiven Kölns benachbarter Standort. Das alte Gebäude könnte hervorragend als Eingangsbereich und Lesesaal sowie als Ort der Archivverwaltung dienen. Natürlich müssen die Magazinbauten neu errichtet werden bzw. aus den ehemaligen Gerlingbauten entwickelt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Maßnahmen so viel teurer sein sollten als andere Baumaßnahmen, es sei denn, der Eigentümer verlangt einen zu hohen Kaufpreis. Das ist aber eine Verhandlungsfrage. Selbst wenn die Lösung teurer würde, ist sie auf jeden Fall einem Neubau am Eifelwall vorzuziehen. Dieser ist für ein Stadtarchiv ein geschichtsloser und gesichtsloser Ort, eine Gelegenheits- und Zufallslösung.

Wir sollten in Köln endlich lernen, dass man für hochrangige Objekte auch hochrangige Lösungen finden muss, nicht nur was die Architektur angeht, sondern auch den Standort. Wenn man jetzt allenthalben dem bisherigen Stadtarchiv einen Dornröschenschlaf bescheinigt, lag das sicherlich nicht an mangelnder Arbeit der dort Beschäftigten, die als hervorragend einzustufen war und ist, sondern daran, dass die Kölner das Archiv an der Severinstraße einfach nicht wahrgenommen haben, weil seine Architektur drittklassig war. Ein außerordentlicher Inhalt muss auch außerordentlich gestaltet und gefasst werden. Ich fasse einen Brillanten nicht in Eisen, sondern in Gold oder Platin. Also muss Köln mit dem Neubau, gerade nach dem Desaster, das dem Stadtarchiv passiert ist, etwas Besonderes leisten und tiefer in die Tasche greifen. Köln will und soll doch glänzen und nicht im Mittelmaß versinken. Gerade jetzt sollte das Archiv in seiner äußeren Wirkung gesteigert werden. Was unseren Stadtvätern schon vor über 100 Jahren recht und billig war, sollte es uns heute auch sein. Durch den Einsturz ist so viel Geld vernichtet worden, dass es nicht nur nach Wiedergutmachung schreit, sondern nach einem Bessermachen. Nicht umsonst haben zahlreiche Vereine, Verbände und Bürger denselben Wunsch geäußert wie ich, so auch mein Vorgänger Hanns Schaefer, der immerhin die 13-bändige Stadtgeschichte mittels seiner Historischen Gesellschaft auf den Weg gebracht hat, was keinem vor ihm gelungen ist. Das Archiv ist mindestens soviel wert wie ein Museum. Man darf den Bau nicht mit allen anderen Desideraten der Kölnischen Kulturpolitik zusätzlich belasten.

Was den Standort Eifelwall angeht, so sollte dieser Standort genauso wie die bisher von der Justiz eingenommenen Flächen zwischen Luxemburger Straße, Weißhausstraße, Rudolf-Amelunxen-Straße und Eifelwall für künftige Hochschulbauten freigehalten und freigemacht werden. Die Universität Köln, die zu den ersten Hochschulen unseres gesamten Landes zählt, ist auf dem Weg, einen großen Sprung nach vorne zu machen, wozu sie unbedingt Gelände braucht. Die Bonner Universität hat halb soviel Studenten wie die Kölner Universität, aber doppelt soviel Quadratmeter pro Student. Dies spiegelt sich dann auch in einem ungünstigen Ranking wieder. Das Land ist bereit, die große Rochade mitzumachen, nur die Stadt Köln steht abseits. Es gilt, den Raum zwischen dem bisherigen Universitätsgelände und den künftigen Campus-Gelände im Süden mit den entsprechenden Hochschulbauten zu verbinden. Damit wird Kölns Zukunft als Stadt der Wissenschaft und der Studenten und damit auch der Jugend, sowohl des Inlands als auch des Auslands, gestärkt. Das ist Zukunfts- bzw. Entwicklungspolitik für unsere Stadt. Ich könnte manche Beispiele auflisten, die aufzeigen, wie die Stadt Köln beim Grunderwerb und der Entwicklung von Flächen in der Vergangenheit versagt hat. Durch eine vorzeitige Besetzung des Eifelgeländes mit anderen Bauten würde wieder eine Fehlentwicklung zementiert. Wenn jetzt eine Entscheidung für das Gereonskloster noch nicht reif sein sollte, sollte man Entscheidungen dem künftigen Rat überlassen und jetzt nicht eine schlecht begründete voreilige Notlösung herbeizaubern.

Das Archivgut, das jetzt im Grundwasser liegt, und immerhin noch ein Fünftel des gesamten Archivbestandes darstellt, erfordert alle Anstrengungen, gerettet zu werden. Wasserschäden sind durch Restauratoren weitgehend zu heilen. Es handelt sich dabei ganz offensichtlich um besonders kostbare Archivalien. Nachdem das Archiv ohne Wissen und Willen von Verantwortlichen eingestürzt ist, würde hier mit Wissen und Willen der Verantwortlichen einmaliges und unwiederbringliches Archivgut preisgegeben.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Winfried Hamelbeck
Vorsitzender des Beirates

Konrad Adenauer
Vorsitzender des Vorstandes

Hanns Schaefer
Ehrenvorsitzender