Sparen anstatt Wohnung kaufen

08.07.2019

Die Bundesregierung ist der Frage nachgegangen, was die Deutschen mit ihrem Geld machen, wenn sie keine Immobilien erwerben. Denn die Eigentumsquote ist seit Jahren in etwa konstant.

In den vergangenen Jahren haben private Haushalte in Deutschland selbst genutztes Wohneigentum für einen Durchschnittspreis von 305.000 Euro erworben. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, wie die „Rheinischen Post" berichtete. Im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017 erwarben demnach pro Jahr 412.000 private Haushalte ein Haus oder eine Wohnung zur Selbstnutzung, wie aus der Regierungsantwort hervorgeht. Sie bezieht sich dabei auf eine repräsentative Befragung des Forschungsunternehmens Kantar-TNS im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Demnach leben rund 45 Prozent aller privaten Haushalte in Deutschland und gut 52 Prozent der Bundesbürger in selbst genutztem Wohneigentum. Dagegen halten nur elf Prozent Aktien und 16 Prozent Fondsanteile. 43 Prozent verfügen über eine Lebensversicherung. 70 Prozent der Haushalte haben Sparkonten. „Die Deutschen sparen falsch, weil der Staat die falschen Anreize setzt“, sagte FDP-Politiker Frank Schäffler. „Wir haben zwar international eine hohe Sparquote. Es kommt unter dem Strich zu wenig dabei heraus, weil die steuerlichen Anreize überwiegend für Anlageformen gesetzt werden, die in festverzinsliche Wertpapiere investieren.“ Die Deutschen legen durchschnittlich 10,4 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante.

Das Geldvermögen der Deutschen lag im dritten Quartal 2018 bei insgesamt 6,23 Bio. Euro. Der größte Teil bestand aus Einlagen und Bargeld. Das Immobilienvermögen beläuft sich dagegen auf etwa 8 Bio. Euro. Dieser Betrag ist seit Jahren in etwa gleich. Offenbar gibt es keine steigende Tendenz, so die Bundesregierung. Dass während der aktuellen Niedrigzinsphase nicht mehr Menschen in Immobilien investieren, mag auch an dem geringen Angebot und den hohen Eigenmitteln für die Kaufnebenkosten liegen, die notwendig sind, um Maklerkosten, Notargebühren und Grunderwerbsteuer zu berappen. Denn in Zeiten niedriger Zinsen trennen sich auch weniger Menschen von ihrem „Betongold“, weil sie nicht wissen, wie sie den Erlös verwenden sollen. Schließlich wären sie ebenso von Niedrigzinsen betroffen, wenn sie das Geld zur Bank tragen und für einen geringen Ertrag anlegen würden, der im Zweifel pro Jahr niedriger als die Steigerung der Lebenshaltungskosten in diesem Zeitraum ausfiele.

Wie bereits im Koalitionsvertrag fixiert, will die Regierung Wohnungskäufern vermehrt unter die Arme greifen und prüft derzeit verschiedene Modelle. Umgesetzt hat sie in diesem Bereich bereits das Baukindergeld, das seit September vergangenen Jahres existiert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) könnte zusätzlich ein Bürgschaftsprogramm auflegen, das Haushalten bis zu einem gewissen Einkommen die Möglichkeit gibt, Wohneigentum zu erwerben, obwohl die nötigen finanziellen Ressourcen, wie angesparte Eigenmittel, nicht vorhanden sind. Außerdem soll die Wohnungsbauprämie insbesondere für junge Menschen attraktiver werden. Und schließlich diskutiert die Regierung eine Neugliederung der Maklerprovision. Diese könnte künftig ausschließlich vom Verkäufer beglichen werden. Bislang ist es so, dass sich in fast allen Regionen Deutschlands Verkäufer und Käufer die Provision in Höhe von sechs Prozent des Kaufpreises (zuzüglich Mehrwertsteuer) teilen. In NRW ist dies beispielsweise der Fall.
Es gibt aber auch Gebiete, in denen der Erwerber die gesamte Courtage bezahlt, so zum Beispiel in Berlin, Hessen und Brandenburg. Ein sogenanntes Bestellerprinzip, bei dem derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt, in der Regel also der Verkäufer, wurde bereits im Sommer 2015 bei Mietwohnungen eingeführt. Seitdem zahlen Vermieter die Vermittlungsleistung.
Es soll nach dem Willen des Bundesjustizministeriums auf den Verkauf ausgeweitet werden. Ein entsprechender Referentenentwurf wurde im Februar verfasst und an die entsprechenden Abteilungen zur weiteren Prüfung und Diskussion weitergereicht. Ein Vorstoß in diese Richtung kam von den Grünen, das SPD-geführte Bundesjustizministerium adaptierte das Thema im Herbst vergangenen Jahres. Im Koalitionsvertrag steht nichts zu einem möglichen Bestellerprinzip beim Immobilienkauf. Der Koalitionspartner CDU hat sich bislang dagegen ausgesprochen.
Dass Ersterwerber von selbstgenutztem Wohneigentum bis zu einem gewissen Haushaltseinkommen, die Grunderwerbsteuer geschmälert oder ganz erlassen werden könnte, scheint vom Tisch zu sein. Ein solcher Freibetrag könne bei den Bundesländern, die diese Steuerart einnehmen, zu einem Loch von insgesamt über 6 Mrd. Euro führen.

Berndt Medien GmbH