Mit zweierlei Maß

04.03.2021

Neues Höhenkonzept erarbeiten

Der Verein hat die Absicht des neuen Ratsbündnisses, ein Höhen- und Hochhauskonzept für Köln erarbeiten zu wollen, ausdrücklich begrüßt. Insofern ist die Einlassung der Grünen, auch bei den Plänen für ein Hochhaus am Friesenplatz das Höhenkonzept abwarten zu wollen, absolut folgerichtig. Umso erstaunlicher ist es, dass Teile des Bündnisses ihre eigenen Willenserklärungen relativieren, indem Bauvorhaben, die zwingend unter ein solches Höhenkonzept fallen würden, außen vorgelassen werden sollen. Dabei ist der Standort ja nicht irgendein Platz in der Stadt, sondern im höchsten Maße stadtbildprägend.

Irritiert zeigt sich der Verein auch über Aussagen die nahelegen, beim Höhenkonzept handele es sich um eine nicht rechtlich bindende Absichtserklärung. Nach §1 des Baugesetzbuches sind städtebauliche Entwicklungskonzepte - unter die das Höhenkonzept fällt - zu berücksichtigen und entfalten damit auch mittelbare Rechtswirkung. Es bedarf daher schlagkräftiger Argumente, um von dem Konzept abzuweichen. Weder die Belange eines Investors noch der Wunsch nach mehr Hochhäusern im Stadtbild reichen aus, um eine Ausnahme zu begründen.

Stadtbild schützen

Wie wichtig das Höhenkonzept ist, zeigt sich derzeit an den entstehenden Gebäuden am Rudolfplatz. Allen schönen Ankündigungen zum Trotz bedauern viele Politiker heute, dem Bau in dieser Art und Weise zugestimmt zu haben. Eine folgerichtige Entscheidung wäre es, den gleichen Fehler am Friesenplatz nicht noch einmal zu begehen und die Überarbeitung des Höhenkonzepts abzuwarten.

Der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein sieht sich dem besonderen Schutz des Stadtbildes der Innenstadt verpflichtet. Der Verein wird sich einer Diskussion um eine Aktualisierung des Konzepts nicht verschließen. Er ist jedoch der Meinung, dass es in Köln diesbezüglich eine allgemein gültige Grundlage zur Stadtgestaltung geben muss und alles noch nicht Gebaute sich diesem Konzept zu unterwerfen hat. Angesichts der Lebensdauer von Gebäuden ist die Zeit für eine ausführliche Diskussion zu vernachlässigen.
Alles andere wäre eine Politik mit zweierlei Maß. Davon gab es in der Vergangenheit genug und die Ergebnisse sind überall in der Stadt zu besichtigen.