Mit Adenauer durch Ihr Veedel

22.09.2021

Besuch in Lövenich: (v. l.) Vorstandsvorsitzender Konrad Adenauer, Ingeborg Arians und Dr. Georg Arians.

Auch nach Sanierungen führt der Strom weiterhin übers Dach.

Die normalen Gullys können bei Starkregen die Wassermassen nicht mehr aufnehmen.

Während des Rundgangs wurde intensiv miteinander diskutiert.

Ein kleiner Rundgang durch Lövenich

Ingeborg und Dr. Georg Arians wohnen im beschaulichen Lövenich — ein Stadtteil, in dem eigentlich die Welt in Ordnung sein müsste. Ist sie auch, allerdings hat das Starkregenereignis Mitte Juli zum Nachdenken und Handeln geführt. „Wir haben schon seit einiger Zeit beobachtet, dass wir bei Dauerregenereignissen starke Überflutungen in unserer Straße (Rehweg) und den umliegenden Straßen und Plätzen haben“, sagt Ingeborg Arians beim Rundgang durch ihr Veedel mit Konrad Adenauer, dem sich noch einige unmittelbare Nachbarn anschlossen, „deshalb haben wir uns gefragt, was unternimmt eigentlich die Stadt, damit das Wasser schneller abfließt“, ergänzt ihr Ehemann Georg Arians.

Weniger Versiegelung notwendig

Nach Rückfrage bei den Stadtentwässerungsbetrieben (StEB), meldet sich der Abteilungsleiter Ingo Schwerdorf zu dieser Thematik: „Die Stadt wird alte Kanäle sukzessive austauschen, aber das gesamte Kanalnetz auf die Starkregenereignisse anzupassen ist unbezahlbar und unrealistisch.“ Vielmehr plädiert er für einen ganzen Strauß an Maßnahmen, die schon teilweise verstärkt umgesetzt werden. Fakt ist, dass mehr Versickerungsflächen benötigt werden, um die Wassermassen zu bändigen. So können beispielsweise Hausbesitzer mit Dachbegrünungen einen wichtigen Beitrag leisten. Retentionsdächer können bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter aufnehmen. Die Stadt fördert und bezuschusst mit dem Programm „Grün hoch 3“ (www.stadt-koeln.de) die Begrünung von Dächern und Fassaden mit bis zu 50 Prozent der Kosten. Die StEB  (www.steb-koeln.de) bietet aber noch einen anderen Service für Betroffene von Starkregen und Überflutungen an.

Beratung Starkregen + Haussicherung

Zum einen gibt es spezielle Überflutungs- und Starkregengefahrenkarten auf der Homepage. Dort können Eigentümer sehen, ob ihr Haus in einem Gefahrengebiet steht. Zum anderen können Beratungstermine im Verwaltungsgebäude am Standort der StEB Köln, Ostmerheimer Straße 555, 51109 Köln an allen Werktagen von 9 bis 16 Uhr vereinbart werden oder in der Deutzer Brücke, linksrheinischer Brückenkopf (Höhe Markmannsgasse), dienstags, 15 bis 19 Uhr und donnerstags, 8 bis 12 Uhr. Eine vorherige telefonische Terminvereinbarung unter: 0221 221-26509 ist unbedingt erforderlich.

„Das ist eine gute Möglichkeit, um sein Eigentum auf Starkregen vorzubereiten“, sagt Konrad Adenauer, „denn manchmal sind schon erste Maßnahmen wie Rückstauklappen, abgedichtete Hauswände oder wasserdichte Kellertüren und -fenster ein erster Schritt sein Haus zu schützen.“ Die Eheleute Arians wollen sich nun mit ihren Nachbarn verständigen, da viele Häuser in ihrer Straße baugleich sind. Ingeborg Arians: „So könnten alle im Rehweg von der Beratung profitieren, denn man müsste nur einmal Baupläne und Fotos zum Termin mitbringen.“

Gefährliche Freileitungen?

Während des Rundgangs kam man auch auf die elektrischen Freileitungen zu sprechen, die in Lövenich noch relativ häufig sind. Georg Arians: „Wir wundern uns schon, dass selbst bei Neubauten weiterhin Freileitungen installiert werden. Vögel sitzen darauf und verschmutzen mit ihrem Kot Terrassen und Balkone. Bei Sturm könnten die Leitungen abreißen und gefährlich werden.“

Es ist tatsächlich so, laut RheinEnergie, dass die Versorgung von Niederspannungskunden mit oberirdischen Stromleitugen eine historisch bewährte Technik ist. Sie ist heute überwiegend in lockerer Bestandsbebauung zu finden, zum  Beispiel in Randbezirken. Neuerschließungen werden seit längerer Zeit grundsätzlich in Erdkabeltechnik vorgenommen.

Der Netzbetreiber prüft regelmäßig, ob eine Umrüstung von Freileitung auf Erdkabel möglich ist. Dabei ist es technisch und wirtschaftlich nur sinnvoll, einen gesamten Straßenzug oder wenigstens mehrere zusammenhängende Häuser umzustellen. In Köln sind 54 von  ungefähr 5.000 Kilometern Niederspannungsleitung noch in Freileitung (1,07 Prozent). Circa 6.000 von 250.000 Objekten sind noch oberirdisch versorgt.

Gelungene Mitgliederaktion

Hauseigentümer, die sich eine explizite Verlegung der Freileitung unter die Erde wünschen, können dies bei der RheinEnergie beauftragen. Da gilt es zu bedenken, dass sämtliche Kosten für Außen- und Innenarbeiten vom Auftraggeber getragen werden müssen. Auch der Umbau der Innenanlage kann einige Euros kosten, deswegen überlegen Hausbesitzer zweimal, ob es notwendig ist, die Stromleitung zu verlegen. Erfahrungen mit abgerissenen Leitungen nach einem Orkan gibt es fast gar nicht, doch nehmen die Windstärken zu. Es könnten dann auch hierzulande Leitungen abreißen und eine Gefahr für Menschen sein.

Nach knapp 90 Minuten beendete Konrad Adenauer seinen Besuch in Lövenich. Das Ehepaar Arians zeigte sich sichtlich zufrieden: „Was für eine klasse Aktion! So etwas haben wir uns schon immer gewünscht, damit zeigt der Verein und der Vorsitzende seine Nähe zu seinen Mitgliedern“, sagen beide unisono.