Mieter Diskriminierung

10.03.2022

Hauptgeschäftsführer Thomas Tewes im Interview:

 

Stimmt es, dass es noch immer rassistische Diskriminierung bei der Wohnungssuche gibt und gibt es Fälle im Verein, die Sie wahrgenommen haben?

Thomas Tewes: Das Thema ist absolut ernst zu nehmen. Allerdings muss ich feststellen, dass die Untersuchung nicht repräsentativ ist, da lediglich elf Personen interviewt wurden. Außerdem gibt es keine Aussage zur Häufigkeit der diskriminierenden Vorkommnisse, was aber wichtig ist, wenn man nach den Gründen suchen möchte.  Auch wird nicht nach Vermietertypen - z.B. gewerblich, privat, Vermieter wohnt im Haus oder nicht - unterschieden. Das macht es schwer, konkrete Aussagen über die Vermieter zu treffen.
Von Vereinsseite können wir über anbahnende Vermietungen nicht viel sagen, da sich unsere Mitglieder erst bei Fragen zu laufenden Mietverhältnissen melden. Tatsächlich haben wir viele Mitglieder, die eine andere Herkunft haben und auch die Mieterschaft ist insgesamt sehr heterogen und multikulturell. Insofern kann über DIE Vermieter keine generelle Aussage gemacht werden.“

Es gibt Vermieter, die Vorbehalte gegenüber Bewerbern mit Migrationshintergrund haben — können diese Vermieter das plausibel begründen?

Thomas Tewes: Insgesamt würde ich im Alltag bei den meisten ein weit verbreitetes liberales und offenes Weltbild zugrunde legen. Interessanterweise trennen dies manche jedoch im privaten Bereich sehr strikt. Es ist eine Form von Burgenmentalität. Einstellungen können sich ändern, wenn sie direkt den eigenen Lebensbereich betreffen.
Da sind u.a. oft unbegründete Befürchtungen, dass unterschiedliche Lebensweisen, angefangen beim Kochen über Mentalitätsunterschiede bis hin zu Kinderlärm den Hausfrieden und die Hausgemeinschaft stören könnten.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach diese Vorbehalte reduzieren oder sogar komplett ausräumen?

Thomas Tewes: Bei den Bewerbungen auf eine Wohnung nicht nur auf Müller, Meyer oder Schulze achten, sondern sich im direkten Kontakt ein persönliches Bild von den Menschen machen. Nur so lassen sich Barrieren und Vorurteile überwinden. Außerdem gibt es regulatorische Maßnahmen wie eine Hausordnung und die gilt für alle Mieter gleich.