Löcher im Putz

17.04.2020

Halsbandsittiche sind schon länger in Köln und Bonn heimisch, dennoch sind sie immer noch Exoten im Stadtdschungel und verdrängen einheimische Arten. Kreischend ziehen sie ihre Kreise über unsere Köpfe hinweg und so mancher Hobby-Ornithologe ist geradezu entzückt von dem grünen Federvieh. Doch für die Stadt und eine Vielzahl von Hausbesitzern sind die Sittige ein Greul, denn sie hinterlassen unter ihren Schlafbäumen riesige Guano-Felder oder auf der Suche nach Brutplätzen hacken sie gerne riesige Löcher in frisch renovierte Hausfassaden. Eigentlich geht der Kölner Stadtverband des Naturschutzverbandes des Naturschutzbunds (Nabu) davon aus, dass die Population nicht weiterwachse und die Zahl der Vögel sich auf das aktuelle Maß von etwa 2.700 Tiere einpendle. Das läge allein schon daran, dass das natürliche Angebot an Bruthöhlen wie Asthöhlen in alten Bäumen erschöpft sei.

Dämmmaterial wird entfernt

Allerdings scheinen Beobachtungen in Köln-Sülz und sogar in Bonn-Castell, der Aussage nicht zu entsprechen. Hier haben die Zwergpapageien, die ursprünglich in Afrika und Indien heimisch sind, die Fassadendämmung von sanierten Hauswänden mit ihren Schnäbeln aufgehackt, um sich dort für die kommende Brutsaison einzunisten. Ein Problem, das Hauseigentümer schon von Buntspechten kennen, die sich ebenfalls gerne in die Hausfassade fräsen, das Dämmmaterial herausholen und sämtliche Vorgaben der Energiesparverordnungen gegen Heizwärmeverluste ad absurdum führen.
Deshalb rät der Verein: Sollten Halsbandsittiche oder Spechte zu dieser Jahreszeit auftauchen und anfangen, Löcher in die Fassade zu hacken, gibt es verschiedene Möglichkeiten zu reagieren. Kleinere Öffnungen müssen sofort verschlossen werden, denn je größer das Loch ist oder schon ein Gang gebohrt wurde, umso eher dringen Schmutz und Feuchtigkeit ein und vermindern die Wärmedämmung. Je später die Nisttätigkeit entdeckt wird desto wahrscheinlicher ist es, dass die Vögel schon am Brüten sind.

 

Schutz in der Brutzeit

Im Gegensatz zu heimischen Vogelarten die laut Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) als besonders geschützte und streng geschützte Arten gelten, fallen die Halsbandsittiche nach Aussage des Bundesamtes für Naturschutz nur unter den Paragrafen 39, der für den allgemeinen Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen zutrifft. Nichts desto trotz: Haben die Vögel mit dem Brüten angefangen, sind sie während dieser Zeit geschützt und es dürfen keine Maßnahmen getroffen werden, sie zu vertreiben.

„Um auf der sicheren Seite zu sein“, sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Tewes „sollten Hauseigentümer sofort Kontakt mit dem Kölner Umweltamt aufnehmen, damit bei einem Ortstermin die Lage geklärt werden kann, ob die Halsbandsittiche noch vertrieben werden dürfen oder nicht.“ Auch vorbeugende Maßnahmen wie das Anbringen von Krähenattrappen, Flatterbändern oder Ketten reflektierender CDs sollen Wirkung zeigen. Kölner Hausbesitzer, die noch am Anfang einer energetischen Fassadensanierung stehen, sollten sich umfassend über eine vogelsichere dicke Fassade informieren. Im Nachhinein lohnt sich die höhere Investition. „Müssen nach Beendigung der Schonzeit die Fassadenschäden repariert werden, deckt weder die Hausrat- noch Wohngebäudeversicherung den Schaden ab. Es sei denn, die Eigentümer haben einen leistungsstarken Zusatztarif abgeschlossen, der ausdrücklich durch Vögel verursachte Schäden abdeckt“, ergänzt Tewes.