Kräftiger Zuzug ins Umland von Großstädten

22.07.2019

Eine interaktive Landkarte des BBSR veranschaulicht die demografische Entwicklung in Deutschland.

Wie hat sich die Bevölkerung auf dem Land und in den Städten zwischen 1995 und 2017 entwickelt? Mit einer neuen interaktiven Anwendung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) lässt sich diese Frage bis auf Kreisebene beantworten. Darüber hinaus können Interessierte die Entwicklung von einzelnen Kreisen mit der in einem Bundesland sowie in anderen ländlichen und städtischen Kreisen vergleichen.

Die interaktive Online-Landkarte veranschaulicht, wie unterschiedlich die demografische Entwicklung in den Regionen abläuft. Insgesamt wuchs der städtische Raum in Deutschland, laut BBSR, zwischen 1995 und 2017 um rund 2,2 Millionen Menschen (plus 4,1 Prozent), während der ländliche Raum 825.000 Einwohner verlor (minus 3 Prozent). Deutschlandweit verzeichneten 227 Kreise (57 Prozent) ein Wachstum, darunter 136 städtische und 91 ländliche Kreise. 174 Kreise (43 Prozent) schrumpften hingegen, darunter 62 städtische und 112 ländliche Kreise.

Teilweise kräftig wuchsen ländliche Kreise im engeren und weiteren Umland der prosperierenden Metropolen – etwa Erding in der Nähe von München (plus 31,5 Prozent), Landsberg am Lech (20,2 Prozent) und Potsdam-Mittelmark (26,9 Prozent). In Bonn stieg die Einwohnerzahl in dieser Zeit um 14 Prozent.
Aber auch vergleichsweise dünn besiedelte Landkreise wie Oberhavel (plus 23,6 Prozent) und Havelland (plus 22 Prozent) profitierten von der Nähe zur Hauptstadt.

Im Rheinland profitieren viele Kreise von den Ballungsregionen Köln, Bonn und Düsseldorf. So erhöhte sich die Bewohnerzahl im Rhein-Sieg-Kreis um 11 Prozent, im Rhein-Erft-Kreis um 6,5 und im Kreis Euskirchen um 6 Prozent.
Andere ländliche Kreise, vor allem in Ostdeutschland, aber auch in Nordhessen und der Pfalz, verloren dagegen Bewohner, einige mehr als ein Viertel ihrer Einwohnerschaft.

Auch bei den kreisfreien Großstädten zeigen sich unterschiedliche Trends. Gemessen an ihrer Bevölkerung legten besonders die kleineren Großstädte zwischen 1995 und 2017 kräftig zu. Städte wie Ingolstadt, Potsdam oder Regensburg wuchsen um ein Fünftel. Anders verlief dagegen die Entwicklung in Städten wie Halle an der Saale, Chemnitz oder Bremerhaven, die im selben Zeitraum ein Fünftel ihrer Einwohner verloren. Absolut gesehen gewannen die Städte München (plus 223.300), Berlin (plus 190.000), Hamburg (plus 144.700) und Köln (plus 115.600) die meisten Einwohner.

Die BBSR-Analyse zeigt: Die Zeichen standen jedoch auch bei den Großstädten in den letzten 20 Jahren nicht stetig auf Wachstum. Zwischen 1995 und 2011 verloren sie in der Summe sogar rund 235.000 Einwohner (minus 1 Prozent). Erst zwischen 2011 und 2017 stieg die Bevölkerung in den Großstädten zusammen um etwa 1,3 Millionen Einwohner an (plus 5,8 Prozent). Ursächlich dafür ist die Zuwanderung aus dem In- und Ausland. Der Zuzug aus dem Ausland bremst zugleich Bevölkerungsverluste in strukturschwachen ländlichen Regionen. Dennoch leiden vor allem ländliche Regionen in Ostdeutschland unter Einwohnerschwund.

Die Auswertung basiert auf der Bevölkerungsfortschreibung der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Alle Daten rechnet das BBSR auf den aktuellsten Gebietsstand um. Zusätzlich wurde die Zeitreihe um Entwicklungssprünge auf Grund der Zensusergebnisse im Mai 2011 bereinigt. Für analytische Zwecke teilt das BBSR die Kreise in Gruppen ein: Betrachtet werden Siedlungsstrukturmerkmale wie der Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten und Einwohnerdichtewerte. Ziel ist es, entsprechende Regionstypen miteinander zu vergleichen.

Die interaktive Landkarte ist zu finden auf: www.bbr.bund.de