Das Grundwasser bleibt im Boden

19.08.2020

Wenn wochenlang tropische Temperaturen wie in den Jahren 2018, 2019 und auch in Teilen  in diesem Sommer herrschen, dann leidet die Natur extrem darunter. Eigentümer im Kölner Süden, die einen Grundwasserbrunnen besaßen, konnten ihre Gärten mit Grundwasser gießen, ohne einen Cent dafür bezahlen zu müssen.

Für die meisten Haus- und Garteneigentümer kam das Verbot des Umwelt- und Verbraucherschutz-amtes der Stadt Köln im Mai 2020 sehr plötzlich. Ab sofort darf wegen zu hoher PFC-Werte (per- und polyfluorierte Chemikalien) kein Grundwasser mehr aus den 60 betroffenen Brunnen genommen werden, um den eigenen Garten zu bewässern. Eine Spurensuche zeigt, dass dieses Umweltdesaster aufgrund von jahrelanger Sorglosigkeit und Fahrlässigkeit durch die Verursacher zustande kam.

 

Erst 2015 gewarnt


Laut Kölner Umweltamt erfolgte der Betrieb des Feuerlöschübungsbeckens auf dem Gelände des Flughafens von 1980 bis 2004 und die Funktionskontrollen der Flughafenlöschfahrzeuge mit anschließender Reinigung an der Feuerwache 1 des Flughafens haben bis 2008 stattgefunden. Über 25 Jahre versickerte eine für Mensch und Tier belastende Chemikalie ins Grundwasser ohne das irgendwelche Maßnahmen getroffen wurden. Eine genaue zeitliche Eingrenzung des Einsatzes PFC-haltiger Löschschäume auf dem Kasernengelände ist nicht mehr möglich.

Dazu lägen die Einsätze zu lange zurück so die offizielle Begründung. Zumindest wurde 2015 die Empfehlung ausgesprochen, aus Vorsorgegründen das Grundwasser in den betroffenen Bereichen nicht mehr zur Bewässerung im Garten oder zur Befüllung von Schwimmbädern zu nutzen. „Im Rahmen des städtischen Grundwasser-Monitorings wurden entsprechende Auffälligkeiten im Grundwasser entdeckt“, sagt Christina Brammen-Petry, stellvertretende Leiterin des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes der Stadt Köln.

 

Linksrheinische Verursacher: Shell + Basell


Schlimm genug, dass die rechtsrheinischen Stadtteile davon betroffen sind, aber dass auch das Grundwasser von Immendorf/Rondorf und Hahnwald mit PFC verseucht wurden, hat eine andere Ursache. Abgesehen davon, dass die Pannenraffinerie der Shell Oil in regelmäßigen Abständen Kerosin- und Schmierstoffseen produziert, die durch Mikrolecks in den unterirdischen Pipelines unter dem Betriebsgelände entstehen — auch zur PFC-Verseuchung hat die Shell zusammen mit der Basell Polyolefine einen maßgeblichen Anteil beigetragen. Wie am Flughafen wurden hier PFC-haltigen Löschschäume zur Bekämpfung von Bränden und zu Übungszwecken eingesetzt.

Nicht-Experten fragen sich nun, warum jetzt nicht Stadtteile wie Godorf, Sürth und Weiß davon betroffen sind, zumal das Wasserschutzgebiet im Weißer Bogen Grundwasser für das Wasserwerk Hochkirchen liefert, das dieses dann ins Trinkwassernetzt einspeist. „Die Ausbreitung der PFC im Grundwasser wird maßgeblich von der Grundwasserfließrichtung bestimmt, die nach Norden gerichtet ist. Eine Vermischung der beiden sogenannten Fahnen erfolgt nicht. Die Stadtteile Weiß, Sürth und Godorf liegen östlich von den Grundwasserbelastungen im Stadtbezirk Rodenkirchen und werden nicht von den PFC-Fahnen unterströmt“, erklärt Brammen-Petry.

Der Rhein ist von der Verschmutzung auch nicht betroffen, da dieser eine „hydraulische Barriere “ darstellt, die nicht unterströmt werden kann. Wegen der hohen Fließgeschwindigkeit des abströmenden Rheins, wird das Grundwasser in Strömungsrichtung abgelenkt und weiter stromabwärts in den Rhein infiltriert und unterliegt dort einer enormen Verdünnung.

 

Verursacher müssen sanieren


Es wird davon ausgegangen, dass das Verbot wahrscheinlich die nächsten 15 Jahre Bestand haben wird, da das Grundwasser eine sehr langsame Fließgeschwindigkeit hat und der Abbau von PFC nur in sehr kleinen Schritten vor sich geht. Christina Brammen-Petry: „Die Kosten für die Untersuchungen und die Sanierungsmaßnahmen werden vollständig von den jeweiligen Verursachern wie Flughafen Köln/Bonn, Bundeswehr, Basell oder Shell) übernommen.“

Für die beiden linksrheinischen Belastungsfahnen werden außerdem sämtliche Mehrkosten für die Grundwasseraufbereitung im Wasserwerk Hochkirchen anteilig von den Verantwortlichen übernommen, sodass auch hier keine Kosten von den Kölnern getragen werden müssen. Allerdings gibt es keine finanzielle Entschädigung für Eigentümer von Brunnen. „Es besteht kein gesetzlicher Anspruch auf die Förderung von Grundwasser und eine bestimmte Menge und Qualität des Grundwassers“, so Brammen-Petry, „Die erlaubnisfreie Nutzung des Grundwassers für Bewässerungszwecke entsprechend des § 46 Wasserhaushaltsgesetz stellt eine Sondernutzung dar. Finanzielle Entschädigungen können zwischen den Grundstückseigentümern und den Sanierungsverantwortlichen nur privatrechtlich geklärt werden.“

Wer jetzt mit Trinkwasser seinen Garten bewässern muss, der kann nicht auf die Stadt Köln oder die RheinEnergie hoffen, eine reduzierte Berechnung zu erhalten. So werden zukünftig auf einige Eigentümer sehr hohe Wasserkosten zukommen.