„Bezahlbarer“ Wohnraum und nicht geflickte Löcher

13.02.2019

Konrad Adenauer, Vorstandsvorsitzender

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

man kann es bald nicht mehr hören: Das Lied vom unbezahlbaren Wohnraum in Köln. Das Wort „unbezahlbar“ ist schon ein Problem für sich. Man könnte es auch zum Unwort des Jahres erheben. Was bezahlt wird, war bezahlbar. Was nicht bezahlt wird, war nicht bezahlbar. Dazwischen gibt es eigentlich nichts. Gleichwohl fehlt Wohnraum in Köln. Vermutlich sind auch im vergangenen Jahr nicht mehr Wohnungen in Köln fertiggestellt worden als im Jahr 2017, also etwa 2.100. Im Sommer, wenn der Wohnraumbericht der Stadt Köln vorliegt, wissen wir mehr. Dann können wir auch die Anzahl der eingegangenen Bauanträge mit der der erteilten Baugenehmigungen vergleichen. Natürlich kann eine Behörde nicht mehr genehmigen als eingeht. Die Behörde weist immer wieder darauf hin, dass 30 Prozent ihrer Stellen nicht besetzt sind und die vorgesehenen Entgelttarife nicht ausreichen, um Mitarbeiter zu gewinnen. Hier mögen die Kommunen doch einmal ein Go-In in Düsseldorf und Berlin veranstalten, um auf eine Änderung der entsprechenden Vorschriften zu dringen. Auch bei dem Defizit an Pflegekräften hat sich ja einiges geändert. Nur zu klagen reicht nicht. Wir haben ja in Deutschland nicht nur Flugsicherheitsassistenten und Lokomotivführer die besser bezahlt werden wollen.

Außerdem fordere ich dringend einen Vorschriftenabbau, vor allen Dingen im Bauwesen. Man vergleiche einmal das Baugesetzbuch und die Landesbauordnung, wie sie vor Jahrzehnten geschaffen und welche Monster aus ihnen geworden sind. Unsere Bauämter sollten den Kampf gegen die Ministerialbürokratie und die Gesetzgebungskörperschaften, die solche Monster in die Welt setzen, aufnehmen. Wir ersaufen allmählich in Vorschriften, die uns auf allen Lebensbereichen überschwemmen. So kommt das Dilemma mit der Nichtvermietbarkeit von Studentenwohnungen mit Nordfenstern am Kölner Neumarkt zustande. Nach § 47 Abs. 2 LBO ist bei Wohnungen eine reine Nordlage aller Wohn- und Schlafräume unzulässig. Studentenwohnungen haben in der Regel eben nur einen Raum. Das bedeutet ja, dass Ein-Raum-Apartments in Nordlage nicht mehr erlaubt sind und somit als Wohnfläche entfallen. Frage: Was macht man mit den Nordseiten, zumal als Nordseite die Lage von Nord-West bis Nord-Ost gilt, also ein Winkel von 90 Grad. Wer denkt sich so etwas aus?

Ich erhielt gerade eine anonyme Zuschrift, die ich hiermit gerne publik mache. Es geht um vier ehemalige Tennisplätze an der Merianstraße im Kölner Norden, die der Stadt gehören und inzwischen überwuchert sind. Der Bodenbelag soll gesundheitsgefährlich sein. Warum koffert die Stadt den Boden nicht aus und gibt diese Grundstücke für eine Wohnbebauung oder für Grünzwecke frei?

Apropos Grün. Um den Jahreswechsel sind in Köln einige Bäume umgeknickt und haben bei ihrem Fall Gott sei Dank keine Verletzungen von Menschen verursacht, allerdings doch erhebliche Sachschäden. Bei der Baumpflege muss die Stadt offensichtlich noch mehr darauf achten, dass bei schräg zur Straßenmitte hinwachsenden Bäumen auf der Straßenseite aus Balancegründen mehr beschnitten wird. Auch fordern viele Bewohner, die Höhe der Straßenbäume durch Schnitt zu begrenzen, um dadurch die Last der Kronen zu mindern. Das vermeidet eine „Schieflage“ und das Umfallen der Bäume. Außerdem erhalten die oberen Stockwerke der angrenzenden Häuser mehr Licht. Im Ausland soll das üblich sein.

Die Stadt ist nach wie vor übersät von gröbsten Schlaglöchern in der Straße, so z. B. bei der Auffahrt auf die Severinsbrücke im Tunnel. Diese Löcher stammen nicht aus Frostperioden dieses Winters, die wir bis Mitte Januar nicht hatten, sondern noch aus früheren Zeiten. Wann nimmt sich die Stadt solcher arg schädlichen Löcher an?

Der Kalker Tunnel ist zwar wieder in beiden Richtungen auf 3 Spuren befahrbar, obwohl die Renovierung nach jahrelanger Dauer immer noch nicht abgeschlossen ist. Es sollen noch allerhand Tests durchgeführt werden. Die Höchstgeschwindigkeit ist nach wie vor mehrfach begrenzt. Auch werden die Ab- bzw. Einbiegespuren zur und von der A 3 für die Lagerung von Baumaterial für den Bau von Lärmschutzwänden vom Land NRW über lange Zeit beansprucht. Die Errichtung dieser Lärmschutzwände hätte natürlich schon in den Jahren der Tunnelrenovierung erfolgen können. Aber Verwaltungen haben es lieber nacheinander. Das gilt auch für den Bodenbelag der beiden Tunneldurchfahrten. Dieser ist absolut erneuerungsbedürftig. Wenn ja schon Decken und Wände saniert wurden, hätte man den Boden doch einbeziehen können. Von den Erneuerungsarbeiten sieht man übrigens nicht viel, nur zahlreiche, neu verlegte Leitungen. Also stehen demnächst wieder Fahrbahnsperrungen bevor!

Der Vorsitzende des Kölner Verkehrsvereins, Herr Martin Schwieren, stellte mit Recht kürzlich fest, dass die Stadt Köln von der wichtigsten deutschen Autobahn, der A 3, über Jahre hinaus nicht mehr direkt erreichbar war und ist, vielmehr nur über verstopfte Nebenstraßen.

Auch fehlen in Köln etliche weiße Fahrbahnmarkierungen. Diese sind absolut notwendig und lebensrettend, vor allem bei Dunkelheit und Nässe. Mein früherer Deutschlehrer hielt die Erfindung des weißen Mittelstreifens für eine der größten Erfindungen der Menschheit. Auch könnte man noch viele andere Hindernisse, auf die der Fußgänger und Fahrradfahrer bei Nacht stößt, weiß anstreichen, wenn es schon an elektrischer Beleuchtung fehlt.

Hierbei möchte ich auch auf die vielen fehlenden Straßennamensschilder hinweisen. Der Fußgänger, der ohne Navi navigiert, findet sich überhaupt nicht mehr in der Stadt zurecht.

Es wäre schön, wenn die Stadt die Vorhaben in Angriff nehmen würde, nach denen der Bürger verlangt, und nicht 100 Meter lange Straßenbahnhaltestellen und extra Busspuren zu Lasten des übrigen Verkehrs einrichtet.

Einen schönen Fastelovend miteinander!

Ihr

Konrad Adenauer, Vorstandsvorsitzender