45 Jahre EIGENTUM aktuell

01.02.2021

45 Jahre EIGENTUM aktuell — seit 1975 erscheint die Mitgliederzeitung des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins verlässlich und ununterbrochen Monat für Monat. Geliefert wird die Zeitung per Post und stets frei Haus. Mit Berichten, Reportagen, Rechtskommentaren und Interviews rund um das Eigentum, den Wohnungsbau und die Stadtentwicklung sowie -politik sind unsere Leser immer bestens informiert.


Chefredakteur und Gründungsvater war kein geringer, als der ehemalige Vorstandsvorsitzende Hanns Schaefer. In den folgenden Jahren machte er mit seinem Editorial „Liebe Leser" Furore. Seine scharfen und zielsicheren Kommentare sorgten bei so manchen Entscheidern für Unwohlsein und zeigten Wirkung bei der einen oder anderen stadtpolitischen Abstimmung. Als einer der wenigen noch lebenden Zeitzeuge kann Professor Dr. Kurt Bartenbach noch berichten, wie es zur Namensfindung kam und welche Argumente ausschlaggebend waren, um eine neue Mitgliederzeitung aus der Taufe zu heben:

Herr Bartenbach, Sie sind heute das am längsten amtierende Vorstandsmitglied des Vereins. Wie war das damals mit der Zeitungsgründung? Warum wurde ausgerechnet 1975 eine Mitgliederzeitung aufgelegt?

1975 gab es die heutigen vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten noch nicht - aber der Verein brauchte angesichts der hohen Mitgliederzahlen eine Plattform zur Ansprache und Bindung seiner Mitglieder, aber auch zur Ansprache der politischen Instanzen und der Kölner Wirtschaft.
Insoweit wollte die Zeitung den Dialog des Vorstandes mit den Mitgliedern führen und zugleich Sprachrohr der Kölner sein, was sie bis heute geblieben ist.
Die Zeitung soll Aufmerksamkeit auslösen, auf brennende Fragen hinweisen, politische Debatten entfachen, das politische Denken und auch das öffentliche Bewusstsein verändern.


Welche Rolle spielten der ehemalige Vorstandsvorsitzende Hanns Schaefer und der amtierende Vorstand bei der Zeitungsidee?

Als Mann der Öffentlichkeit hat Hanns Schaefer von Anfang an diese Mitgliederzeitung in dem dargestellten Sinne genutzt. Mit unermüdlicher Beständigkeit, Konsequenz und manchmal auch Härte setzte er sich als Chefredakteur in seinen monatlichen Glossen für die Verbesserung der Mietsituation, die Stadtgestaltung, die Denkmalpflege und nicht zuletzt die Wahrung der Kölner Geschichte ein.
Diese Glossen - zusammengefasst in der Festschrift zu seinem 85. Geburtstag - sind ein wichtiger Teil des Lebenswerks von Hanns Schaefer. Sie belegen das ihm zutreffend beige-gebene Etikett des aufsässigen Einmischers, der im Interesse der Stadt keinem Konflikt aus dem Weg gegangen ist. Seine Beiträge haben eine große Öffentlichkeit bewegt, politische Debatten entfacht und manche Einstellung veränder
t.
In diesem Sinne wird EIGENTUM aktuell heute von Konrad Adenauer fortgesetzt und gezielt das öffentliche Bewusstsein weiterhin beeinflusst.

Können Sie sich noch an die Namensfindung erinnern und wer sollte die Zeitung redaktionell befüllen und produzieren?


Dem oben dargestellten Zweck der Zeitung entsprechend suchten wir einen sinnstiftenden Titel, der sofort ins Auge fällt und Schlagwortcharakter hat.
Dabei gingen der Namensfindung EIGENTUM aktuell viele Überlegungen und gut durch-dachte Ideen voraus. Angesichts einer Klausurtagung hatte ich die Eingebung für EIGENTUM aktuell, - insgesamt war es aber ein Gemeinschaftswerk.
Von Anfang an war klar, dass die Leitung der Redaktion bei Hanns Schaefer liegen sollte, als dem zupackenden Sachwalter sowohl der Interessen der Vereinsmitglieder, aber auch aller Kölner Bürger, umfassend unterstützt durch den gesamten Vorstand.


Wie haben die Mitglieder auf die erste Ausgabe der EIGENTUM aktuell reagiert?

Die Mitglieder des Vereins haben auf die Herausgabe von EIGENTUM aktuell sehr positiv reagiert. Die Mischung von aktiver Interessenpolitik und umfassender Informationen zu Technik und Recht rund ums Haus, wurde von Anfang an sehr gut aufgenommen. Besonderes Lob erhält stets die der Kölner Geschichte gewidmete letzte Seite, gestaltet und ausgewählt durch unser Vorstandsmitglied Hadmut Jaeger. Der Name EIGENTUM aktuell ist inzwischen in Köln und Umgebung ein fester Begriff. Er steht für Gemeininteresse am Eigentum, dessen Pflege und Umsetzung, aber auch für eine Art Fachlexikon zu allen Fragen rund ums Eigentum.

Gibt es einen Artikel oder ein redaktionelles Thema, dass Ihnen ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Etwas wehmütig erinnere ich an einen Artikel im Jahr 1990, in dem meine Aktivitäten in persönlicher und beruflicher Hinsicht dargestellt wurden. Gezeigt wird dazu ein Bild von mir als jüngerer Mann mit voller dunkler Haarpracht, das mir bewusst macht, wie viele Jahre inzwischen verstrichen sind.
Aber im Ernst: Ein zum Nachdenken Anlass gebender Artikel ist der, den Hanns Schaefer zu seinem Abschied aus dem Vorstand im Juni 2009 geschrieben hat: Sein Rückblick auf viele Jahre positiven Wirkens und sein wohnungspolitisches Vermächtnis!


Welchen gesellschaftlichen Stand hatte der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein zu dieser Zeit in der Stadt Köln?

Der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein war in den 60igern und Anfang der 70iger Jahre noch sehr mit den typischen Themen des Mietrechts und der darauf bezogenen Interessenwahrnehmung und Dienstleistung befasst. Zurecht führte Hanns Schaefer zu Beginn seiner Vorstandstätigkeit aus:

„Das macht keinen Sinn, sich nur um Mieterhöhungen und Nebenkosten zu kümmern. Wir sind überall gefordert, wo es zwischen Vergangenheit und Zukunft, um Stadtentwicklung, Verkehr, Denkmalpflege und Kultur geht.“


Der Verein ist seitdem umfassend und erfolgreich mit wohnungspolitischen Initiativen befasst, etwa dem Höhenkonzept, dem Eintreten für die Schließung von Baulücken, dem Kampf gegen den öffentlichen Schmutz in Köln, der Verbesserung der Situation auf der Domplatte, der Überprüfung der Gebührenrechnungen der Stadt Köln, wie generell einem kritischen Begleiten des politischen Tuns der Stadt Köln. Der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein ist damit weit über die lokalen und regionalen Grenzen hinaus zum Ansprechpartner für Politik und Wirtschaft geworden und leistet mit seiner Sachkenntnis und seinem Engagement einen erheblichen Beitrag für Wohnungsbau und Stadtentwicklung.

Was wünschen Sie der EIGENTUM aktuell für die Zukunft?

In den zurückliegenden 45 Jahren hat sich EIGENTUM aktuell in dem ihr zugedachten Sinn sehr bewährt. Zu wünschen ist, dass sie in dieser inhaltlichen Gestaltung fortgesetzt wird und weiterhin Verbindungsglied zwischen dem Verein und seinen Mitgliedern, aber auch allen Menschen in Köln und Umgebung bleibt.