10 Fragen und Antorten zur neuen Grundsteuer

16.08.2022

Die Uhr tickt. Die Abgabe der Erklärung zur neuen Grundsteuer muss bis zum 31. Oktober 2022 sein.

  1.  Frau Hauch, was müssen Immobilienbesitzer unbedingt bis  Ende Oktober erledigen und warum?
    Immobilienbesitzer sollten in jedem Fall schauen, ob sie ein Informationsschreiben ihres zuständigen Finanzamtes erhalten haben und prüfen, ob ggf. ein sog. Datenblatt beigefügt wurde. Einige Bundesländer haben mit dem Informationsschreiben zur Grundsteuer Datenblätter versendet, aus denen sich wichtige Angaben ergeben, die in der Grundsteuererklärung einzutragen sind und die die Erklärungsabgabe deutlich vereinfachen können. Und natürlich sollte die Erklärung möglichst bis zum 31.10.2022 elektronisch beim Finanzamt eingereicht werden.

  2. Wie können Hausbesitzer die geforderten Unterlagen einreichen und was geht nicht?
    Die Finanzverwaltung gibt vor, dass die Grundsteuererklärung ausschließlich elektronisch über ELSTER abzugeben ist. Das bedeutet, dass man sich – sofern nicht schon in vergangenen Jahren geschehen –  dort online authentifizieren muss. Eine Abgabe von Papiererklärungen ist grundsätzlich nicht vorgesehen und soll nur in absoluten Ausnahmefällen genehmigt werden. Ein kostenloses Online Tool mit einer Schnittstelle zu ELSTER für die Abgabe der Erklärungen bei Privateigentümern bietet das Bundesministerium der Finanzen über die Website https://www.grundsteuererklaerung-fuer-privateigentum.de/ an.

  3. Welche Unterlagen müssen eingereicht werden?
    Zunächst nur die Grundsteuererklärung mit den entsprechenden Anlagen als solche. Weiterführende Unterlagen (Verträge, Rechnungen, sonstige Belege usw.) werden bei Prüfungsbedarf von den Finanzbehörden nachgefordert.

  4. Muss für jede Immobilie eine Erklärung erstellt werden?
    Ja. Für jede Immobilie bzw. jedes Grundstück, das im Grundbuch als eines gekennzeichnet ist, ist eine Erklärung durch den oder die Eigentümer abzugeben.

  5. Wie sieht es aus bei mehreren Eigentümern oder einer Erbengemeinschaft?
    In diesen Fällen ist eine Erklärung von den Eigentümern bzw. der Erbengemeinschaft gemeinsam abzugeben. Hierzu kann man eine Person (kann ein Eigentümer oder auch ein Dritter sein) als Empfangsbevollmächtigen bestimmen. Diese Person kann dann eine Erklärung im Namen der Gesellschaft oder Erbengemeinschaft übermitteln.

  6. Kann die Abgabefrist verlängert werden und gelten für beauftragte Steuerberater automatische verlängerte Fristen?
    Derzeit plant die Finanzverwaltung keine Fristverlängerungen zu gewähren. Auch nicht für beauftrage Steuerberater*innen. Das heißt der Abgabetermin 31.10.2022 sollte möglichst eingehalten werden. Allerdings sollen lt. Finanzministerium Schätzungen bei Nichtabgabe erst ab März 2023 erfolgen und großzügig mit der Festsetzung der Verspätungszuschläge umgegangen werden, sodass man sich bei einer Abgabe bis Ende Februar 2023 faktisch „keine Sorgen“ um ernsthafte Konsequenzen machen muss.

  7. Drohen Strafen, bei nicht Einreichung der Unterlagen?
    Sollten Eigentümer ihre Erklärung(en) nicht bis spätestens Ende Februar 2023 abgegeben haben, wird die Finanzverwaltung in diesen Fällen am März 2023 einen Schätzungsbescheid erlassen. Das heißt die Angaben zu den Immobilien werden (sachgerecht) geschätzt und es ergehen auf dieser Basis später die Grundsteuerbescheide. Zudem könnte ein Verspätungszuschlag i.H.v. mindestens 25 Euro je nicht abgegebener Erklärung und je angefangenem Monat der eingetretenen Verspätung  drohen. Dies liegt aber grundsätzlich im Ermessen der jeweiligen Sachbearbeiter im Finanzamt.

  8. Was passiert nach der Abgabe und wie geht es weiter?
    Das jeweils zuständige Finanzamt prüft die eingereichte Steuererklärung und erlässt einen Grundsteuermessbescheid, der als Basis für den späteren Grundsteuerbescheid dient. Das Ganze wird vorwiegend über einen elektronischen Abgleich geschehen. Sollten sich im Anschluss daran noch offene Fragen zur Erklärung ergeben, werden entsprechende Auskünfte oder Unterlagen durch die Finanzämter bei den Immobilienbesitzer*innen angefordert. Für diesen Prozess haben die Finanzämter bis Ende 2024 Zeit.

  9. Wann kommen die neuen Grundsteuerbescheide?
    Der Grundsteuermessbescheid wird vom Finanzamt an die jeweilige Gemeinde weitergegeben, damit diese den Grundsteuerbescheid erlassen kann. Das wird aber frühestens Anfang 2025 passieren, da die neuen Grundsteuerwerte erst dann für die Festsetzung der Grundsteuer maßgeblich sind.

  10. Auf was müssen sich Immobilienbesitzer möglicherweise einstellen?
    Es kann natürlich immer zu technischen Störungen – wie etwa ein zeitweiser Websiteabsturz bei ELSTER – kommen. Zudem können die Sachbearbeiter in den Finanzämtern noch Rückfragen zu den Angaben in der abgegebenen Steuererklärung haben und ggf. Unterlagen anfordern. Daher sollten die Unterlagen zur jeweiligen Immobilie möglichst gut sortiert griffbereit sein. Hier wird allerdings etwas „Geduld“ bei den Immobilienbesitzer*innen gefragt sein, da die Bearbeitungszeiten durchaus länger sein könnten und es sicherlich einige Monaten dauern wird, bis man den Grundsteuermessbescheid für die Immobilie zugesendet bekommt.

jetzt downloaden: vortrag zur neuen grundsteuer nrw von der steuerberaterin und steuerexpertin angela hauch