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Kunst im Verein

Boris Becker

Eine fotografische Studie von Köln

Im fotografischen Schaffen von Boris Becker bildet Köln eigentlich kein eigenständiges Motiv. Der renommierte Fotokünstler ist jedoch nicht nur ein gebürtiger Kölner, sondern er lebt und arbeitet auch in dieser Stadt.

Daher ergibt es sich wie von selbst, dass neben seiner extensiven Reisetätigkeit und der damit verbundenen Motivfindung immer wieder Orte und Bauten in Köln in den fotografischen Fokus geraten. Anlässlich der Ausstellung im Kölner Haus- und Grundbesitzerverein von 1888 hat Boris Becker nun zum ersten Mal sein umfangreiches Archiv explizit nach »Kölner Ansichten« durchgesehen und aus dieser Perspektive heraus eine Auswahl von Arbeiten eigens zusammengestellt.

Für Boris Becker steht vor allem die Bildhaftigkeit des von ihm ausgewählten Motivs im Vordergrund, weniger seine Symbolkraft, sogar wenn es sich um eine architektonische Ikone wie den Kölner Dom handelt. Das macht die Komposition der Fotos deutlich, die zumeist nur einen Ausschnitt aus einem größeren Zusammenhang zeigen. Dadurch entsteht eine starke Konzentration auf eben diesen Ausschnitt als individuelles ästhetisches Gefüge. Feinste Beschaffenheiten in Struktur, Form und Material treten deutlich hervor und scheinen erst durch die Kamera sichtbar zu werden. Sogar ortskundige Kölner und Kölnerinnen werden den Dom, die Bastei oder den Tanzbrunnen selten so gesehen haben, wie Boris Beckers Werke sie uns zeigen.

Zum künstlerischen Ansatz gehört darüber hinaus, dass der Künstler die von ihm »gefundenen« Räume und Architekturen ohne irgendeine inszenatorische Intervention, dafür aber mit einer kaum zu überbieten den Schärfe und Konzentration fotografiert. Dies erzeugt jene besondere Atmosphäre des unbeteiligten Beobachtens, jener eingängigen Zeit- und Ortlosigkeit, die seine Werke seit dem Beginn seiner künstlerischen Karriere Ende der 1980er-Jahre auszeichnen.

Die stets als Einzelbilder gedachten Fotos ergeben über den Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten eine Form der potenziell unabschließbaren fotografischen Studie, die bei den Kölner Ansichten« wie das Kapitel einer Architekturgeschichte der Stadt Köln anmutet. Tatsächlich geht es bei Boris Becker stets darum, für den Betrachter einen ästhetischen Raum zu öffnen, in dem er bereits Gesehenes oder auch Alltägliches neu wahrnehmen und erleben kann.

Einzelausstellungen mit seinen Werken wurden in den letzten Jahren u.a. gezeigt in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Köln (2019/20), im Mittelrhein Museum Koblenz (2017), im LVR-Landesmuseum Bonn (2016), im Rautenstrauch-Joest Museum Köln (2011) und im FotoMuseum Antwerpen (2010).

Dr. Jutta Voorhoeve