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Wie sicher ist mein Haus?

09.10.2017
Wie sicher ist mein Haus?

Wie sicher ist mein Haus? (Quelle: www.polizei-beratung.de)

11. Kölner Sicherheitstage vom 13. – 14.10.2017

11. Kölner Sicherheitstage vom 13. – 14.10.2017

Ortstermin mit der Kripo

Alle fünf Minuten wird in eine Wohnung eingebrochen. Mehr als 150.000 Einbruchsdelikte listet die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) alljährlich auf. Tendenz steigend. Die meisten Wohnraumeinbrüche finden am Tage, bei der Abwesenheit der Bewohner, statt. Nicht einmal jeder fünfte wird aufgeklärt.

Erfahrung ausschlaggebend

Eine Fallzahl in dieser Statistik ist Familie Wegener* (* Name von der Redaktion geändert). In ihr Einfamilienhaus am Rande einer Großstadt wurde im vergangenen Jahr eingebrochen. Die Täter ließen vor allem Schmuck, ein Handy und ein Laptop mitgehen. Als die Wegeners vor knapp zehn Jahren bauten, mussten sie mit jedem Pfennig rechnen. Sicherheitstechnische Aspekte standen damals nicht im Vordergrund. Heute überlegen die Wegeners nachzurüsten nd verabreden einen Vor-Ort-Termin mit der Kriminalpolizei, in persona mit Georg von Strünck. Er ist Mitarbeiter der Kriminalpolizei, die für die Vorbeugung von Einbrüchen zuständig ist. Den Ortstermin bei Familie Wegener beginnt er mit einem Rundgang ums Haus. Dabei nimmt er jede Gebäudeöffnung unter die Lupe und erläutert der Hausherrin Stärken und Schwächen aus sicherheitstechnischer Sicht. Hilfsmittel oder gar Messinstrumente braucht er dazu nicht. Nur ein Zollstock steckt sicherheitshalber in der Jackentasche.
Entscheidend ist: Durch jahrelange Erfahrung weiß der Präventionsexperte, wo und wie Einbrecher vorgehen. Und: Er hat einen genauen Überblick über die Sicherheitsprodukte auf dem Markt und kann herstellerneutral beraten.

Gebäudeöffnungen im Blick

Hauseingang

Erste Station ist die Hauseingangstür. „Das sieht hier alles sehr gut aus“, lobt Georg von Strünck. Das Schließblech ist stark genug, winkelig und mehrfach im Mauerwerk verankert, sodass es nicht einfach mit dem Schraubendreher ausgehebelt werden kann. Der Schutzbeschlag ist mit einem Ziehschutz ausgestattet. Die Dreifachverriegelung ist absolut ausreichend, und die Türbänder sind durch Hintergreifhaken zusätzlich gesichert. Vorsichtshalber weist der Experte noch darauf hin, dass die Tür natürlich auch bei kurzer Abwesenheit immer abgeschlossen und nicht einfach nur in die Falle gezogen werden sollte.

Kellertür

Als Nächstes ist der Nebeneingang dran, die Kellertür. Hier waren die Einbrecher vor einem Jahr eingedrungen. Der Kellerzugang befindet sich auf der Seite des Wohnhauses. Durch die davor gebaute Garage ist dieser Bereich von der Straße nicht einsehbar. Eine Sichtschutzwand schirmt ihn vom Nachbarn ab. „Wenn ich Einbrecher wäre, würde ich es hier auch als Erstes versuchen. Man kann ganz in Ruhe werkeln“, ist der erste Kommentar des Polizisten. Der oder die Täter haben damals die Glasscheibe in der Kellertür aufgeschnitten, durch das Loch gegriffen und die Tür mit dem innen steckenden Schlüssel geöffnet. Familie Wegener ließ inzwischen einbruchhemmendes Glas einbauen. Doch bei näherem Hinsehen entdeckt Georg von Strünck noch weitere Schwachstellen rund um die Kellertür: Der Zylinder schließt zwar bündig mit dem Schutzbeschlag ab, dieser ließe sich jedoch mit einem Schraubendreher mühelos abhebeln. Ein weiterer Handgriff und der Zylinder wäre abgedreht. Von Strünck empfiehlt den Austausch gegen einen dickwandigen Beschlag aus Stahl. Das Fenster direkt neben der Kellertür ist mit einem Gitter versehen. Das nimmt der Kriminalkommissar genau unter die Lupe. Mit der Stärke der senkrechten Streben und ihren Abständen zueinander ist er zufrieden – die empfohlenen 120 Millimeter sind eingehalten. Beim Blick auf die beiden Querstreben, die mit den seitlichen Wandverankerungen verbunden sind, runzelt er jedoch die Stirn: Sie sind zu weit auseinander – „250 Millimeter sollten es höchstens sein“ – und offenbar mit der Verankerung nicht verschweißt, sondern verschraubt. Damit ließe sich das gesamte Gitter ganz einfach abbauen. Die Wandhalterungen sind auf den ersten Blick solide, doch beim Klopfen an die Wand zeigt sich: Sie sind in einer Dämmschicht, nicht jedoch im Mauerwerk verankert, können also leicht herausgebrochen werden. „Hier würde ich empfehlen, das Gitter mit zwei weiteren Querstreben aus Stahl zu versehen, diese zu verschweißen und im Mauerwerk zu verankern.“

Terrassentüren

Weiter geht es auf der Gartenseite. Alle drei Glasterrassentüren sind mit Pilzkopfverriegelungen ausgestattet. Doch das Prinzip hat Lücken: Die Schließstücke sind nicht u-, sondern l-förmig. Damit haken die Zapfen nicht richtig in ihren Gegenstücken ein, das Fenster kann aufgehebelt werden. „Tauschen Sie die Schließstücke aus. Das geht problemlos, zumal das Modell hier noch auf dem Markt ist“, rät der Fachmann.
Für eine zweiflügelige Terrassentür hingegen hat er keinen Nachrüstvorschlag parat: Sie ist nur an drei Seiten mit Pilzköpfen versehen. Am Boden schließt die Tür mit einer barrierefreien, glatten Schiene ab. Sie austauschen hieße in den Fußbodenaufbau von Wohnzimmer und Terrasse eingreifen. Als Nächstes begutachtet von Strünck die Griffe der Terrassentüren und der Fenster. Sie sollten abschließbar – im Idealfall gleichschließend, also mit einem Schlüssel bedienbar – sein und einen gewissen Widerstand haben. Dann die Rollläden, die Sicherung der Fenster in den Dachschrägen, die Schutzgitter über den Kellerfensterschächten …

Individuelle Empfehlungen als Planungsgrundlage

Nach knapp zwei Stunden hat der Kriminalhauptkommissar eine ganze Liste mit Verbesserungsvorschlägen zusammengetragen. Zum Schluss hinterfragt er noch das persönliche Sicherheitsbedürfnis der Familie sowie mögliche Werte im Haus. „Solche Aspekte können Gründe für die zusätzliche Errichtung einer Einbruchmeldeanlage sein. Ansonsten ist jedoch eine mechanische Sicherung viel effektiver als eine elektronische“, fasst er zusammen und übergibt der Hauseigentümerin neben umfangreichem Informationsmaterial seine Aufstellungen mit den individuellen Empfehlungen – als Grundlage für künftige Planungen, aber auch Gespräche mit Fachfirmen. „Wenn Sie das alles nachrüsten, kostet das zwischen drei- und fünftausend Euro“, schätzt Georg von Strünck. „Da sollten Sie sich unbedingt das neue Förderprogramm der KfW anschauen: Für Maßnahmen zur Einbruchsicherung mit einem Gesamtvolumen von mehr als 2.000 Euro gibt es Zuschüsse in Höhe von zehn Prozent.“

Präventionsberatungen deutschlandweit

1.900 Vor-Ort-Termine haben Georg von Strünck und seine Kollegen im vergangenen Jahr abgearbeitet. Die Nachfrage ist groß, Wartezeiten zwischen acht und zwölf Wochen sind üblich. „Den meisten Hauseigentümern geht es so wie Familie Wegener: Sie rufen uns leider erst dann an, wenn sie direkt betroffen sind – entweder weil in der Nachbarschaft oder bei ihnen selbst eingebrochen wurde“, erzählt Georg von Strünck. „Ideal wäre, wenn Bauherren mit den Plänen in der Hand zu uns kämen. Wer von vornherein an die Sicherheit des Gebäudes denkt, hat gute Chancen, gar nicht erst Opfer eines Einbruchs zu werden. Außerdem ist Nachrüsten immer teurer und oft nur eingeschränkt möglich.“ Schwerpunkt der Präventionsarbeit der Berliner Polizei sind Einfamilienhäuser. In Mehrfamilienhäusern beraten die Berliner Polizisten nur in Wohnungen in Erdgeschossen und in ausgebauten Dachgeschossen. In den anderen Etagen kommen Einbrecher nahezu ausschließlich durch die Wohnungstür.

Wie die gesichert wird, können sich die Bürger im Beratungszentrum der Polizei an Modellen ansehen. Präventionsprogramme wie das der Berliner Polizei gibt es in dieser oder ähnlicher Form in allen Bundesländern. Die Beratungen sind überall kostenlos.

Weitere Informationen:

 

Eva Neumann