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Marktraumumstellung

02.10.2017
Marktraumumstellung - Gasversorgung wird von L- auf H-Gas umgestellt

Marktraumumstellung - Gasversorgung wird von L- auf H-Gas umgestellt

Gasversorgung wird von L- auf H-Gas umgestellt

In den nächsten Jahren wird sich für viele Eigentümer von Gasheizungen ein Eingriff in ihr Heizgerät nicht verhindern lassen. Grund dafür ist die Umstellung von L- auf H-Gas, die in den nächsten Jahren in Deutschland vonstattengeht.
L-Gas (Low calorific gas) hat einen geringeren Methangehalt und damit einen geringeren Brennwert beziehungsweise Energiegehalt als H-Gas (High calorific gas). Die Gasart und damit der Brennwert sind je nach Herkunft des Gases unterschiedlich. Wegen des unterschiedlichen Brennwerts müssen die beiden Gasarten in getrennten Gasnetzen transportiert werden. Etwa ein Viertel der deutschen Haushaltskunden wird derzeit mit L-Gas versorgt.

Warum eine Umstellung

Das L-Gas stammt aus deutschen und niederländischen Vorkommen. Die Förderung aus den deutschen und niederländischen Quellen geht jedoch zurück. Nach aktuellem Stand soll ab dem 1. Oktober 2029 kein niederländisches L-Gas mehr nach Deutschland fließen.
Wegen des Rückgangs der heimischen L-Gas-Produktion und des L-Gas-Importes aus den Niederlanden müssen in den Netzgebieten, in denen zur Zeit L-Gas verbraucht wird, die Netze umgestellt und alle angeschlossenen Gasverbrauchsgeräte schrittweise und möglichst frühzeitig an die Versorgung mit hochkalorischem H-Gas angepasst werden.
Für die Organisation der Anpassung der Gasgeräte im Rahmen der Marktraumumstellung ist der jeweilige Ausspeise- oder Verteil-Netzbetreiber verantwortlich. Dieser wird die Kunden über alle notwendigen Schritte informieren. Der Gaslieferant, von dem der Haushaltskunde das Gas beziehen, hat mit der Marktraumumstellung selbst nichts zu tun.

Angaben hierzu findet man auf der Gasrechnung. Wenn der Name des Netzbetreibers nicht auf der Gasrechnung angegeben ist, kann man den Netzbetreibernamen durch Eingabe einer Codenummer unter folgendem Link ermitteln: www.codevergabe.dvgw-sc.de
Gas-Lieferanten müssen auf ihren Rechnungen für Energielieferungen an Letztverbraucher immer die Codenummer des Netzbetreibers angeben. Bei der Codenummer des Netzbetreibers handelt es sich um eine 13-stellige Nummer zur Identifizierung des Netzbetreibers.

Wann und wie wird umgestellt

Wann genau eine Gemeinde oder ein Stadtteil umgestellt wird, teilt der örtliche Gasnetzbetreiber jedem Kunden einzeln rechtzeitig mit. Meistens wird auch nicht die ganze Gemeinde/Stadt auf einmal umgestellt. Dies ist abhängig von der Netzstruktur und der Gemeindegröße.

Die Anpassung erfolgt in drei Schritten:

  1. Zunächst muss der Gasgerätebestand in jedem Haushalt von Fachleuten vor Ort aufgenommen werden. Der Bestand umfasst beispielsweise Gasthermen und Heizkessel, gasbetriebene Herde und Kocher, Gasbrenner, Gasöfen, Gaskamine und alle anderen Geräte, die mit Gas betrieben werden. Zur Erfassung der Gasgeräte wird eine Fachfirma durch den Netzbetreiber beauftragt.
  2. Danach findet die konkrete Anpassungsmaßnahme durch die beauftragte Firma statt.
  3. Zuletzt wird eine Qualitätssicherung durchgeführt. Damit soll sichergestellt werden, dass die angepassten Geräte problemlos mit H-Gas betrieben werden können.

Die Qualitätssicherung wird stichprobenartig bei 10 Prozent der Geräte vorgenommen.

Welche Geräte sind betroffen

Betroffen sind alle Geräte, die direkt an eine Gasleitung angeschlossen sind. Das kann vom Gasherd in der privaten Küche bis hin zur gasbetriebenen Industrieanlage gehen.
In einem privaten Haushalt können Gasthermen, Gasherde, Brennwert- oder andere Heizkessel oder auch Gasöfen oder -kamine sein.

Wie geht die Anpassung

Es gibt wenige Geräte, die sowohl L-Gas als auch H-Gas verbrennen können. Um die notwendigen Maßnahmen festzustellen, ermittelt der Monteur die "Geräte-Identität" (Name, Herstellerfirma, Herstellungsjahr). Anpassungen können idR nur bei ordnungsgemäßen und mangelfreien Geräten durchgeführt werden.

Die eigentliche Anpassung des Gerätes erfolgt durch den Austausch der Gasdüse. Diese Gasdüsen befinden sich je nach Gerätetyp in der Gaszuleitung oder, als sogenannte Injektordüsen, vor dem Brenner oder direkt im Verbrennungsraum. Bei manchen Geräten sind zusätzliche Einstellungen in der Geräteregelung vorzunehmen, bei anderen an den Reglern der Gaszufuhr.
Der Aufwand der Anpassung ist abhängig vom Gerätetyp. Die Art des Gerätes hat z.B. auch Einfluss auf die Anzahl der zu wechselnden Düsen und der einzustellenden Regelarmaturen.
Der Zeitpunkt der Anpassung hängt ebenfalls vom Gerätetyp ab und geht aus den Anpassungsanweisungen der Hersteller hervor.

Grundsätzlich können viele Geräte vor dem Schaltzeitpunkt – dem Zeitpunkt, ab dem erstmals H-Gas in das Versorgungsnetz eingespeist wird – angepasst werden. Andere müssen sehr zeitnah zum Schaltzeitpunkt (direkt davor oder danach) angepasst werden. Gerade bei diesen Geräten sollte man daher die vereinbarten Termine unbedingt einhalten.
Nur wenige, sogenannte gasadaptive Gasverbrauchsgeräte, können sowohl mit L-Gas als auch H-Gas betrieben werden. Bei diesen Geräten muss keine Anpassung vorgenommen werden. Allerdings sollte trotzdem eine Nachmessung nach dem Schalttermin erfolgen.

Wer trägt die Kosten

Grundsätzlich fallen für den Kunden durch die Umrüstung der Gasgeräte keine Kosten an.
Die anfallenden Kosten für die Erfassung und Umrüstung der Geräte trägt zunächst der Netzbetreiber. Es dürfen also keine Arbeitsstunden in Rechnung gestellt werden und der Kunde muss auch keine Austauschteile - wie zum Beispiel Brennerdüsen - bezahlen.
Die Kosten der gesamten Marktraumumstellung werden über die MRU-Umlage solidarisiert. Diese Kosten werden ab 2017 bundesweit umgelegt und zusätzlich zum Netzentgelt erhoben.
Die gesetzliche Grundlage für diese Umlage findet sich in § 19a EnWG.

Weitere Informationen gibt es u.a. bei der Bundesnetzagentur www.bundesnetzagentur.de oder bei der Rheinischen Netzgesellschaft www.rng.de. Diese weist auf ihrer Homepage auf folgendes hin:

Warnung vor SPAM E-Mails mit Falschinformationen zur Erdgasumstellung

Derzeit sind SPAM E-Mails im Umlauf, in denen der Empfänger unter Vortäuschung falscher Tatsachen aufgerufen wird, die Heizungsanlage zu erneuern. Die Behauptung: Durch die in Deutschland geplante Umstellung der Erdgasart (von "L" auf "H"-Gas) werde ein Austausch der Heizungsanlage unausweichlich. Daher sollten die Kunden jetzt die Heizungsanlage austauschen und dabei staatliche Fördergelder in Anspruch nehmen, die zu einem späteren Zeitpunkt wegfielen. Diese Behauptung ist schlicht falsch und deutet auf den Versuch hin, auf illegalem Weg Kundendaten zu erheben. Welche weiteren Ziele der Absender mit den Fachinformationen verfolgt, ist bisher unbekannt. Wichtig zu wissen ist: In der Regel ist im Rahmen der Erdgasumstellung kein Austausch der Heizungsanlage notwendig. Falls Sie derartige E-Mails zur Erdgasumstellung von unbekannten Absendern erhalten, sollten Sie diese auf keinen Fall öffnen.