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Farben verändern unser Leben

21.04.2017

Was wäre unsere Welt ohne Farben? Während man sich über die Farbgestaltung mehr oder weniger schnell einigen kann und diese dem individuellen Geschmack vorbehalten ist, sieht es bei der Kenntnis über die verschiedene Materialbeschaffenheit der Anstriche schon anders auch. Vielfach herrscht großes Rätselraten, in welcher Art und Weise die Farbe auf den Untergrund aufzubringen ist.

Unterschieden wird dabei in Farben und Lacke. Farben bilden eine nicht glänzende, offenporige Beschichtung in wischfester oder waschfester Ausführung. Sie haben sowohl einen hohen Farbstoff- als auch Pigmentanteil, meist aber nur einen geringen Bindemittelgehalt. Lacke hingegen werden zur Beschichtung von Oberflächen aus Holz, Metall, Kunststoff oder mineralischem Material verwendet. Sie gibt es als Natur- und Kunstharzlacke. Im Vergleich zu Farben haben Lacke einen höheren Bindemittelgehalt.

Wasserlösliche Farben

Dabei handelt es sich ausschließlich um Leimfarben. Sie bilden wasserdampfdurchlässige Filme und werden bei richtiger Dosierung des Bindemittels wischfest. Ferner haften sie gut auf allen mineralischen Untergründen und festsitzenden Tapeten. Für Holz, Öl- und Dispersionsfarbanstriche sind sie ungeeignet. Da sie keine tragfähigen Schichten bilden, kann man sie nicht übertapezieren oder mit einer anderen Farbe überstreichen.

Wasserverdünnbare Farben

Neben wasserlöslichen gibt es noch Farben, die mit Wasser verdünnt werden können. Hierzu zählen Kalk-, Zement- und Dispersionsfarben. Dispersionsanstriche gibt es für fast alle Zwecke und alle Untergründe: farbig, farblos, als Anstriche, Lacke und Lasuren. Die meist als „Wandfarbe“ oder „Fassadenfarbe“ bezeichneten Produkte sind gut auf Putzen, Beton, Kalksandstein- oder Ziegelmauerwerk wie auch auf festsitzenden Tapeten, Holz oder fachmännisch grundierten Metallen anwendbar. Der wesentliche Unterschied zwischen Dispersionsfarben für innen oder außen besteht darin, dass Anstriche für außen viel Bindemittel und verhältnismäßig wenig andere Feststoffe enthalten, während Anstriche für innen weniger Bindemittel, dafür aber viele andere Feststoffe aufweisen. Allen Dispersionsanstrichen sind folgende Merkmale gemeinsam:

  • Sie sind wasserverdünnbar,
  • ihre Bindemittel sind nicht wasserlöslich, sondern als relativ große feste Teilchen im Wasser fein verteilt (dispergiert),
  • sie bilden je nach Zusammensetzung und Schichtdicke wasserdampfdurchlässige bis wasserdampfsperrende Filme,
  • sie sind alkalifest und feuchtigkeitsunempfindlich,
  • die Anstriche erhärten durch Verdunsten des Wassers und durch Zusammenfließen und Verkleben der Bindemittelteilchen.

Silikat- und Dispersionssilikatfarben

Diese Farben sind weder wasserlöslich noch wasserverdünnbar. Dispersionssilikatfarben werden oft als besonders robuste, wetter- und chemikalienfeste Fassadenanstriche eingesetzt. Sie sind für alle Fassaden, Decken und Wände aus Beton, Ziegeln, Kalksandstein, Naturstein etc. oder mit mineralischen Putzen sehr gut geeignet. Sie haften allerdings nicht auf Gips und Dispersionsfarben. Die Anstriche trocknen matt und gleichen in ihrer optischen Wirkung den Kalkfarben. Sie sind gegen sauren Regen und Industrieabgase weniger empfindlich als Kalk- oder Zementfarben.

Lösemittelhaltige Anstrichmittel

Es gibt sie, wie die Dispersionsanstrichmittel, für alle Untergründe und nahezu alle Zwecke als „Farben“, Lacke, Lasuren und Beizen. Da Lösungsmittel in der Regel gesundheits- und umweltschädlich sind, ist es heute aber durchaus möglich – von ganz wenigen Spezialfällen einmal abgesehen –, ohne größere Kosten und ohne Einbußen an Qualität alle Malerarbeiten mit lösemittelfreien oder nahezu lösemittelfreien Produkten auszuführen.

Lacke

„Lack“ ist nach DIN 55945 ein Sammelbegriff für Anstrichstoffe, die Beschichtungen mit bestimmten Eigenschaften ergeben, also z. B. qualitativ und optisch besonders hochwertige Oberflächenfilme bilden oder gegenüber besonders vielen Chemikalien beständig sind.

Wasserlacke

Wasserlacke sind besonders feinteilige Dispersionsanstrichmittel, mit denen alle lacktypischen Glanzgrade erreicht werden können. Man bekommt sie für alle Zwecke, für die es auch lösemittelhaltige Lacke gibt. Sie sind wasserverdünnbar. Um Wasserlacke während der Lagerung vor mikrobiellem Befall zu schützen, werden Konservierungsmittel (Topfkonservierer) eingesetzt. Bis zu 0,5 Prozent Biozide, Isothiazolinone oder Formaldehyd können hierfür zugesetzt sein. Wasserlacke sind zwar wasserverdünnbar, sie dürfen dennoch nicht in die Kanalisation gelangen. Farbreste müssen wegen der Lösemittel und Konservierungsstoffe als Sondermüll entsorgt werden.

Lasuren

Lasuren sind farblose oder leicht eingefärbte, transparente, dünne Beschichtungen mit geringer Viskosität. Die Strukturen des Untergrunds scheinen durch den Anstrich durch. Lasierende Anstriche gibt es auf allen Untergründen, hauptsächlich aber auf Holz und Beton. Die behandelten Oberflächen bleiben diffusionsoffen. Wegen ihrer Dünnflüssigkeit dringen Lasuren tief in den Untergrund ein. Im Außenbereich müssen Lasuren wegen der geringen Schichtdicke regelmäßig erneuert werden.

Grundierungen

Unter Grundierung versteht man im Allgemeinen ein Anstrichmittel, mit dem der Untergrund behandelt wurde, bevor die erste Schicht des eigentlichen Anstrichs aufgetragen wird. Grundierungen bereiten den Untergrund für die Beschichtung vor, indem sie ihn verfestigen, die Saugfähigkeit auf der ganzen Fläche auf ein einheitliches Maß herabsetzen und für eine gute Haftung der folgenden Schichten sorgen. Auf Metallen nennt man den allerersten, haftvermittelnden, nicht filmbildenden Anstrich Primer. Unter „Grundierung“ versteht man dann die erste, filmbildende Schicht des Korrosionsanstrichs. Tiefengrund oder Tiefengrundierung nennt man Grundierungen für besonders stark saugende Untergründe wie z. B. Gasbeton oder Gips. Sie müssen besonders tief in die Poren und Kapillaren eindringen können. Die Grundierungen müssen immer zu den darauf folgenden Anstrichen passen.

Imprägnierungen

Von Imprägnierungen spricht man nur bei Holz, mineralischen (Putze, Betons, Kalksandsteine, Natursteine) und keramischen (Ziegel, Klinker…) Untergründen. Sie schützen die Untergründe vor eindringender Feuchtigkeit und deren Folgen. Bei Holz versteht man unter Imprägnierung z.B. ein lösemittelreiches, farbloses Alkydharz-Produkt mit fungiziden Zusätzen gegen Bläuepilze. Man kann bei gut deckenden Lackierungen im Allgemeinen darauf verzichten. Imprägnierungen auf mineralischen und keramischen Untergründen sind besonders bei Sichtmauerwerk und bei der Verwendung von Naturstein erforderlich, aber auch auf allen anderen wassergefährdeten Wandflächen. Sie wirken hydrophobierend (wasserabstoßend). Am häufigsten werden dazu Silikonimprägnierungen und darauf eine Silikatfarbschicht verwendet. Bei solch einer Beschichtung bleibt die Diffusionsfähigkeit der Wand oder des Sockels nahezu vollständig erhalten, während die Wasseraufnahme durch die Außenfläche sehr stark herabgesetzt oder sogar verhindert wird.